NRW fördert digitale Schulstraßen in Wesseling, Lohmar und Bocholt
Immer mehr Schulstraßen in NRW: Zahl steigt auf 93
Automatische Poller, Kennzeichenerkennung, App-gesteuerte Zufahrt: Drei Kommunen in Nordrhein-Westfalen erproben künftig neue digitale Wege, um ihre Schulstraßen sicherer zu machen. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr hat die Fördermittel für drei Modellprojekte in Wesseling, Lohmar und Bocholt bewilligt. Das Land unterstützt die Städte mit insgesamt bis zu 270.000 Euro.
Die Stadt Wesseling installiert zwei automatische, versenkbare Poller, um die Zufahrt zur Schulstraße zu regeln. Eine Kennzeichenerkennung sorgt dafür, dass berechtigte Fahrzeuge weiterhin durchfahren können. In Lohmar entsteht rund um eine Schule ein System aus digitaler Schranke, Kennzeichenerkennung und visuellen Warnsystemen. So soll der Verkehr auf der Hauptzufahrt geregelt und Rückstau auf den Nebenstraßen vermieden werden. Die Stadt Bocholt setzt unter anderem auf ein appbasiertes Zufahrtsystem mit Durchfahrtsgutscheinen sowie auf RFID-Technik, ähnlich der kontaktlosen Bankkarte, zur Erkennung berechtigter Fahrzeuge.
Verkehrsminister Oliver Krischer: „Mit den drei Modellprojekten testen wir, wie Technik Schulstraßen noch sicherer machen kann. Automatisierte Poller, Kennzeichenerkennung oder App-Lösungen ersetzen das Verkehrsschild durch echte Zufahrtskontrolle. Davon profitieren die Kinder auf ihrem Schulweg in Wesseling, Lohmar und Bocholt, und wir gewinnen wichtige Erfahrungen für weitere Kommunen in Nordrhein-Westfalen.“
Der Wettbewerb „Förderung temporärer, digital unterstützter Sperrungen von Fahrbahnen für Schulstraßen“ richtete sich an Kommunen, die die Ein- und Durchfahrt in ihre Schulstraßen zeitweise technisch statt nur durch Beschilderung einschränken wollen. Die drei Projekte werden im Rahmen des Wettbewerbs begleitet und ausgewertet, um herauszufinden, welche technischen Lösungen sich in der Praxis bewähren.
Zum Beginn des neuen Schuljahres gibt es gute Nachrichten für mehr Sicherheit auf den Schulwegen in Nordrhein-Westfalen: Es gibt immer mehr Schulstraßen in Nordrhein-Westfalen: Insgesamt sind mittlerweile 93 landesweit eingerichtet worden, 19 weitere sollen voraussichtlich noch in diesem Jahr folgen.
Seit der letzten Erhebung im August 2025 sind 42 neue Schulstraßen hinzugekommen. Damit steigt die Gesamtzahl der Schulstraßen, die seit dem Erlass des Landes eingerichtet worden sind, von damals 41 auf 83. Das entspricht einem Anstieg von rund 102 Prozent gegenüber dem Stand im August 2025. Hinzu kommen zehn Schulstraßen, die in Pilotprojekten bereits vor dem Erlass des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr im Jahr 2023 realisiert worden sind.
Und die Nachfrage wächst: Etwa 60 Kommunen haben sich bislang mit konkreten Anfragen an die landesweiten Koordinierungsstellen des Zukunftsnetz Mobilität NRW gewandt. Jede Koordinierungsstelle hat in Fachgruppen über die Möglichkeiten der Einführung von Schulstraßen informiert und ergänzend verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, darunter eine im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche sowie Exkursionen zu Schulstraßen in Essen und Herne.
Verkehrsminister Oliver Krischer freut sich über das steigende Interesse: „Schulstraßen sorgen dafür, dass Kinder den Schulweg sicherer und selbstständiger zurücklegen können. Der deutliche Zuwachs zeigt, dass immer mehr Kommunen dieses Konzept aufgreifen und erfolgreich umsetzen. Jede neue Schulstraße ist ein Gewinn – für die Sicherheit, für die Eigenständigkeit der Kinder und für die Lebensqualität im direkten Wohnumfeld.“
Schulstraßen verringern den Autoverkehr vor den Schulen, indem sie zu den Bring- und Abholzeiten vorübergehend für den motorisierten Verkehr gesperrt werden. Der Schulweg zu Fuß, per Fahrrad oder Tretroller wird für die Kinder damit sicherer – und zugleich attraktiver. Das bringt neben der Verkehrssicherheit viele weitere Vorteile: Kinder bewegen sich mehr, gewinnen Eigenständigkeit im Straßenverkehr und darüber hinaus. Auf dem Schulweg können sie die Welt eigenständig erkunden, Erfahrungen sammeln und Selbstbewusstsein entwickeln.
Hintergrund
Seit Januar 2024 unterstützt ein Erlass des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz und Verkehr – als oberste Straßenverkehrsbehörde des Landes – die Schaffung neuer Schulstraßen. Der Erlass zeigt auf, wie Städte und Gemeinden Schulstraßen rechtssicher einrichten können und war zugleich die fachliche Grundlage für den Wettbewerb "Digitale Schulstraßen". Zusätzlich gibt das Ministerium Handlungsempfehlungen: So soll bei neuen Schulstraßen stets geprüft werden, ob Elternhaltestellen eingerichtet werden können. Dort können Kinder, die mit dem Auto zur Schule gebracht werden, aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß zurücklegen. Auch dadurch üben sie das richtige Verhalten im Straßenverkehr und stärken ihre Gesundheit.