Zum Inhalt springen

umwelt.nrw

Hauptinhalt

Emscherumbau

Renaturierung des Emschertals. Foto: Emschergenossenschaft

Die Geschichte des Ruhrgebiets und der Emscher, die in Holzwickede entspringt und in Dinslaken in den Rhein mündet, sind untrennbar miteinander verbunden. Das 856 Quadratkilometer große Einzugsgebiet der Emscher ist mit 2,1 Millionen Einwohnern sehr dicht besiedelt. Für den Strukturwandel in der größten zusammenhängenden Industrieregion Europas ist der Umbau des Emschersystems der wichtigste Baustein.


Größtes Infrastrukturprojekt Nordrhein-Westfalens

Im Emschergebiet sind nach über hundert Jahren fast alle Zechen und die meisten Stahlwerke verschwunden. Der Bergbau ist nordwärts gewandert, die Bodensenkungen sind weitgehend abgeklungen. Geblieben sind die insgesamt 350 Kilometer betonierte Abwasserkanäle. Bereits seit Beginn der 90er Jahre wird der Umbau des Emschersystems geplant. Inzwischen ist er in vollem Gange.

Das alte System der offenen Abwasserableitung wird Schritt für Schritt aufgegeben und das Schmutzwasser in unterirdischen Abwasserkanälen den Kläranlagen zugeleitet. Die vom Abwasser befreiten Gewässer werden umgebaut und ökologisch verbessert. Dieses größte Infrastrukturvorhaben der Region ist ein Jahrhundertprojekt. Ein vergleichbares wasserwirtschaftliches Projekt gibt es in Europa nicht. In einigen Bereichen ist sie auch heute noch ein offener Abwasserlauf. Dies gilt in gleicher Weise auch für viele Nebenläufe der Emscher.

Bis Ende 2021 sollen der Abwasserkanal Emscher und alle Zubringerkanäle errichtet werden. Ergänzend werden die Emscher und alle Nebenläufe naturnah umgestaltet. Damit haben sich die Emschergenossenschaft und das Land Nordrhein-Westfalen ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Die Emscher und ihre Zuflüsse sollen wieder die Landschaft der Region prägen.

Die europäische Union fördert den Emscherumbau genauso wie das Land NRW. Die Emschergenossenschaft investiert insgesamt rund 5,3 Milliarden Euro. Über 80% davon für siedlungswasserwirtschaftliche Infrastrukturmaßnahmen wie Kläranlagen und Abwasserkanäle.

Der Emscherumbau stellt somit das größte Infrastrukturprojekt des Landes dar und ist Voraussetzung für die integrierte und ressortübergreifende Strategie zur Bewältigung des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

Weitere Informationen:

An der blauen Emscher – Entwicklungschancen für die Region

Die Vision der blauen Emscher im grünen Emschertal ist mit konkreten wasserwirtschaftlichen, landschaftsgestalterischen und städtebaulichen Planungen verbunden. Die Infrastrukturmaßnahmen an der Emscher bieten neue Entwicklungsmöglichkeiten und Chancen für Wirtschaft und Arbeitsplätze. Nachhaltige Standort-, Stadt- und Landschaftsentwicklungen führen zu integrierten Angeboten für Wohnen, Arbeiten und Freizeit in einer attraktiven Gewässerlandschaft.

Die ökologische Verbesserung des Flusssystems dient auch der Verbesserung des Wohnumfelds der gesamten Region. Mit Blick auf die Ziele der europäischen Wasserrahmenrichtlinie, einen guten ökologischen und chemischen Zustand der Gewässer herzustellen, werden insgesamt 350 Gewässerkilometer ökologisch aufgewertet. Damit wird vielen Arten wieder ein Lebensraum in der Emscher und ihren Nebenflüssen geboten.

Karte des Emschertals. Grafik: Emschergenossenschaft

Der Lauf der Emscher prägt eine ganze Region. (Grafik: Emschergenossenschaft)

Weitere Informationen:

Schachtanlage. Foto: Emschergenossenschaft

Schachtanlage für das neue Kanalsystem. (Foto: Emschergenossenschaft)

Der Neubau des Abwassersystems

Ein Schwerpunkt des Projekts Emscherumbau ist der Bau von rund 400 km Abwasserkanälen an der Emscher und in ihrem Einzugsgebiet.

Der Abwasserkanal Emscher zwischen Dortmund und Dinslaken sammelt zukünftig die Abwässer von rund 1,76 Millionen Menschen aus einem 789 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet. Die Anlage allein dieses Kanals stellt eine außerordentliche Ingenieurleistung dar. Die Dimensionen des Projekts sind außergewöhnlich: Der Abwasserkanal Emscher wird infolge des Bergbaus in Tiefenlagen von rund 8 bis 40 Meter unter Gelände im unterirdischen Rohrvortrieb gebaut. Die Gesamtlänge des Kanals umfasst fast 52 Kilometer, die einzelnen Haltungen (Verbindungsstrecke eines Abwasserkanals zwischen zwei Schächten) sind bis zu 600 Meter lang, Abwassersammler mit Durchmessern zwischen 1,40 Meter und 3,40 Meter gewährleisten einen permanent hohen Abwasserabfluss mit entsprechend hohen Füllständen und Fließgeschwindigkeiten. Da ein solch großer Abwasserkanal absolut versagenssicher gebaut werden muss, wird für bestimmte Streckenabschnitte ein Zweirohrsystem geplant.