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Grundwasser und Landwirtschaft

Düngen mit Festmist. Foto: Hans-Willi Niermann / panthermedia.net

Die Landwirtschaft wird in den letzten Jahrzehnten deutlich intensiver betrieben, als früher üblich. Mit den daraus folgenden Produktionssteigerungen geht in Teilbereichen eine erhebliche Änderung der Landnutzung einher, insbesondere durch den verstärkten Maisanbau. Oft ist dies verbunden mit einer Umwandlung von Grünland in Ackerbauflächen. Durch die Verwendung von Mais als Substrat in Biogasanlagen hat sich diese Entwicklung in den letzten Jahren weiter verschärft.


Bedenklicher Anstieg der Stickstoff-Konzentration

Aus wasserwirtschaftlicher Sicht bedenklich ist eine deutliche Steigerung des Stickstoffeinsatzes zur Düngung. Wird zu stark gedüngt, gelangt mehr Stickstoff in den Boden, als die Pflanzen physiologisch aufzunehmen in der Lage sind. Die Überschüsse gelangen über das Sickerwasser ins Grundwasser. Auch durch den Grünlandumbruch werden große Mengen an Stickstoff aus den Pflanzen und anderen organischen Bodenbestandteilen freigesetzt. Dies wirkt sich teilweise auch noch lange Zeit später nachteilig auf die Grundwasserqualität aus. Sogar einige mittlerweile verbotenen Pflanzenschutzmittel sind auch heute noch im Grundwasser nachweisbar.

Zentraler Anknüpfungspunkt, um den Zustand des Grundwassers im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Tätigkeit zu verbessern, sind die dünge- und pflanzenschutzrechtlichen Regelungen auf Bundesebene. Die Düngeverordnung bestimmt verbindlich die Grundsätze der guten fachlichen Praxis bei der Anwendung von Düngemitteln. Düngemittel sind danach zeitlich und mengenmäßig so auszubringen, dass alle Nährstoffe von den Pflanzen weitestgehend aufgenommen werden können und Einträge in die Gewässer durch überschüssige Nährstoffanteile vermieden werden.

Pflanzenschutzmittel unterliegen bei ihrer Zulassung strengen Prüfverfahren. Darüber hinaus legt das Pflanzenschutzgesetz auch Regeln für die Anwendung fest, damit bei bestimmungsgemäßer und sachgerechter Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier und auf das Grundwasser sowie keine sonstigen Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben, die nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse nicht vertretbar sind.

Um den Veränderungen in der landwirtschaftlichen Produktion Rechnung zu tragen müssen die rechtlichen Grundlagen kontinuierlich überprüft und angepasst werden. Daneben kommt dem Vollzug und Überwachung der Regelungen zentrale Bedeutung zu. Im Rahmen der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sind darüber hinaus Einzelmaßnahmen erforderlich, um neuen Einträgen entgegenzuwirken und insgesamt eine Trendumkehr zu erreichen.

Nitrat-Bericht und Nährstoffbericht für NRW

Im Auftrag des NRW-Umweltministeriums hat die Landwirtschaftskammer NRW in 2014 erstmals den  "NRW-Nährstoffbericht" erstellt. Dafür wurde der Nährstoffanfall von Stickstoff und Phosphat aus der Tierhaltung, aus Gärresten von Biogasanlagen und Klärschlamm auf Kreisebene ermittelt. Dabei wurden auch erstmals Daten der sogenannten Wirtschaftsdünger-Datenbank genutzt: Seit 2013 muss jeder, der organische Düngemittel wie Gülle, Mist oder Gärreste in Verkehr bringt, die abgegebene Menge sowie alle Abnehmer dieser Düngemittel an die Wirtschaftsdünger-Datenbank der NRW-Landwirtschaftskammer melden. Mit Hilfe dieser Daten konnte kreisscharf die in Gülle enthaltene Menge der beiden Nährstoffe Stickstoff und Phosphat ermittelt werden, die durchschnittlich auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht wird. Diesen Mengen an Nährstoffen wurde der Nährstoffentzug durch den Anbau von Pflanzen gegenüber gestellt. Das Ergebnis waren Nährstoffbilanzen auf Kreisebene. Das Ziel der Erhebung war, den regionalen Nährstoffanfall unter Berücksichtigung der Nährstoffströme zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben nachvollziehbar und transparent zu machen. Demnach wurden mit Wirtschaftsdüngern aus der Tierhaltung, Gärresten aus Biogasanlagen und Klärschlamm rund 170.000 Tonnen Stickstoff und fast 88.000 Tonnen Phosphat auf landwirtschaftliche Flächen in NRW ausgebracht.

Parallel zum Nährstoffbericht wurde ein neuer "NRW-Nitratbericht" durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz erstellt, der die Belastung der Grundwasserkörper ausführlich dokumentiert. Ausgewertet wurde die Nitratbelastung im Zeitraum 2010 bis 2013 anhand von mehr als 3700 Grund- und Rohwassermessstellen sowie die Entwicklung der Nitratkonzentrationen ab 1992. Verteilt über das gesamte Land NRW stellt sich die Nitratbelastung des Grundwassers (Ist-Situation und Entwicklung) differenziert dar. Gebiete im Norden und Westen des Landes weisen gleichbleibend hohe und teilweise steigende Nitratkonzentrationen über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter Grundwasser auf. Demgegenüber stehen Gebiete, in denen keine oder zum Teil fallende Nitratwerte gemessen werden. In Gebieten mit Ackernutzung erreichen die aktuellen Nitratkonzentrationen im oberflächennahen Grundwasser Spitzenwerte bis über 300 Milligramm pro Liter. Grundwassermessstellen in Gebieten mit überwiegend intensiver Landwirtschaft und einer Nitratkonzentration über 150 Milligramm pro Liter Grundwasser finden sich in der Städteregion Aachen sowie den Landkreisen, Kleve, Neuss, Mettmann, Viersen, Wesel, Düren, Heinsberg, Rhein-Sieg-Kreis, Borken, Coesfeld, Steinfurt, Warendorf, Bielefeld, Gütersloh, Minden-Lübbecke und Paderborn. Zum Teil werden hier in über 50 Prozent der Grundwassermessstellen die Grenzwerte überschritten.

Beratung durch die Landwirtschaftskammer

Um die Betreiberinnen und Betreiber landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Betriebe in besonders belasteten Gebieten besser zu informieren, bietet die Landwirtschaftskammer NRW im Auftrag der Landesregierung auf freiwilliger Grundlage eine Grund-, Regional- und Individualberatung an. Diese Beratung umfasst auch die Einrichtung von Modellbetrieben verschiedener Betriebstypen und Bewirtschaftungsformen. Das Beratungskonzept umfasst auch Problemstellungen an Oberflächengewässern und ist stärker auf die Umstellung zu ökologischem Landbau ausgerichtet. Unterstützt wird die Arbeit der derzeit 30 Beraterinnen und Berater der Landwirtschaftskammer NRW durch spezielle Förderprogramme, zum Beispiel für den Zwischenfruchtanbau in den betroffenen Gebieten.

Auch die Wasserversorger bieten entsprechende Service-Leistungen für die landwirtschaftlichen Betreibe an und treffen in den sogenannten „Trinkwasserschutzkooperationen“ regionale Vereinbarungen mit der Landwirtschaft zur Verbesserung der Situation in Wasserschutzgebieten ein.

Weitere Informationen:


Düngung

Pflanzen müssen ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden, um ein ausgewogenes Wachstum der Kulturpflanzen, gute Qualität der Produkte und eine nachhaltige Bodenfruchtbarkeit sicherzustellen. Die gute fachliche Praxis der Düngung erfüllt diese Anforderungen. Allerdings weisen Studien darauf hin, dass zum Schutz der Umwelt und des Grundwasser strengere Regelungen notwendig seien.

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