Flächenverbrauch
Flächenverbrauch beziehungsweise die Flächenneuinanspruchnahme ist häufig mit dem unumkehrbaren Verlust von unbebauten und naturbelassenen Landschaftsräumen verbunden. Er wirkt sich nachteilig auf Biotop-, Landschafts- und Naturschutz aus, greift in die landwirtschaftliche Fläche ein, verringert Erholungs-, Ruhe- und Frischluftbereiche, zerschneidet Lebensräume und verstärkt die negativen Auswirkungen des Klimawandels. Die Landesregierung will den Flächenverbrauch aus diesen Gründen weiter minimieren.
Allianz für die Fläche
Die Flächenneuinanspruchnahme geht kontinuierlich weiter, so auch in Nordrhein-Westfalen. Eine Umkehr ist nicht in Sicht. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat in den Jahren weiter zugenommen. Täglich werden bundesweit 52 Hektar Freifläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke verbraucht. Die "Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie – Neuauflage 2016" legt fest, die tägliche Inanspruchnahme neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2030 auf unter 30 Hektar pro Tag bundesweit zu reduzieren. In Nordrhein-Westfalen gehen im vierjährigen Mittelwert täglich rund 6,2 Hektar wertvolle Natur- und Freifläche verloren. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Nordrhein-Westfalen nimmt inzwischen bereits einen Anteil von rund 23,9 % an der gesamten Landesfläche ein. Langfristiges Ziel bleibt es, aus demografischen Gründen zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie NRWs und zum Erhalt des Lebensraumes den Flächenverbrauch weiter zu minimieren. Im Rahmen von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel spielt der unverbaute Freiraum auch eine wichtige Rolle, denn für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzte Flächen können Frischluftschneisen in die Städte blockieren und die Böden verlieren ihre Funktion als Bodenkühlleister sowie als Wasserspeicher für den Hochwasserschutz. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es, die Flächenneuinanspruchnahme zeitnah auf 5 Hektar pro Tag und auch darüber hinaus weiter zu reduzieren. Dazu bedarf es wirksamer Maßnahmen dies zu begrenzen. Den Kommunen fällt hier die Schlüsselrolle zu, weil sie bei ihren Entwicklungsplanungen die wesentlichen flächenrelevanten Entscheidungen treffen. Mit dem landesweiten Trägerkreis "Allianz für die Fläche" ist ein Gremium von Fachleuten aus unterschiedlichen Institutionen und Disziplinen wie z. B. der IHK, der Naturschutzverbände, der Bezirksregierungen, der kommunalen Spitzenverbände, der Landwirtschaftskammer geschaffen worden, das eng zusammenarbeitet und einen Meinungsaustausch und Dialog aus verschiedenen Perspektiven führt, der alle Belange einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung integriert.
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Meilenstein – Zertifikat für flächensparende Kommunen in Nordrhein-Westfalen
Eine Maßnahme, die aus dem Trägerkreis "Allianz für die Fläche" entwickelt wurde, ist das Projekt "Meilenstein – Zertifikat für flächensparende Kommunen in Nordrhein-Westfalen". Sechs Kommunen aus Nordrhein-Westfalen haben bereits ein Zertifikat fürs Flächen sparen erhalten: Dormagen, Emsdetten, Porta Westfalica, Münster, Recklinghausen und Hellenthal haben sich bereits erfolgreich mit ihrer kommunalen Flächensituation auseinander gesetzt und sind dafür ausgezeichnet worden. Die Stadt Münster erhielt für besondere Leistungen das Zertifikat in Gold. Im Zeitraum von September 2013 bis Juni 2014 haben die Kommunen an dem Zertifizierungsverfahren teilgenommen. Sie mussten darlegen wie sich ihre Flächensituation darstellt, wie sie ein Flächenmanagementsystem aufbauen und ihre Kommunikation gestalten sowie offen legen, welche planerischen Steuerungselemente sie zur Flächeneinsparung nutzen. So hat die Gemeinde Hellenthal ein Anreizprogramm "Junge Menschen in alten Häusern" eingeführt. Die Stadt Dormagen hat an einem Pilotprojekt zum Aufbau eines Geoinformationssystems (GIS) als Webdienst zur strategischen Innenentwicklungsplanung teilgenommen. In der Stadt Münster gilt das Gebot Innen- vor Außenentwicklung. Mit Hilfe eines Anreizprogramms werden hier die Sanierungen von Altbauten gefördert. Die Stadt Porta-Westfalica nimmt an einem Projekt zur Ermittlung von Brachflächen teil. Die Stadt Emsdetten hat sich dem Grundsatz einer nachhaltigen Flächenentwicklung unterworfen, nach dem Flächen im Innenbereich mit erster Priorität entwickelt werden sollen. Sie besitzt eine Erhebung über die vorhandenen Reserveflächen für Wohnen und Gewerbe. Die Stadt Recklinghausen besitzt u. a. zum Schutz und zur Aufwertung ihres Freiraums ein Entwicklungskonzept.